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DER AMSEL LIED

 

Gedichtband,

2008 in der Edition Mondstein erschienen; Buchverlag Steinmaßl, Grünbach.

Das Buch ist fest gebunden und hat 104 Seiten; die Amsel auf dem Titelbild hat Vera Ledoldis-Streicher gemalt. Es kostet € 13,50.

 

„Der Amsel Lied“ ist eine Sammlung von Gedichten, die uns von Blumen und Bäumen, Tieren und Menschen in den verschiedenen Jahrezeiten erzählen und immer wieder die Kongruenz des menschlichen Lebens mit diesem ewigen Kreislauf erkennen lassen.

 

Die Germanistin Mag. Erika Haider schreibt über diese Gedichte:

„Schlichtheit des Satzbaus, gläserne Klarheit der Aussage, und – im Kontrast dazu – eine stark beeindruckende Bildlichkeit: Diese Elemente sind es, die Ingrid Streichers Texten eine besondere Ausstrahlung und Tiefe verleihen. In Strophen oder freien Rhythmen, in Reimen oder einfach über die wunderbare Musikalität ihrer Sprache – auf verschiedensten Wegen erreichen sie das Herz des Lesers.“

 

Leseproben

 

aus dem ersten Teil „… wie ein gehauchter Kuß von Frühling auf eine kalte Wange“:

 

 

Dein Lied, Amsel

 

Vor Sonnenaufgang schon

melodischer Gesang:

dein Lied, Amsel!

Frühlingskünderin,

in Strophen,

flötend und bewegt,

so steckst du

dein Revier;

dann lockst du wieder her

im liebessüßen Drang.

 

Vertraut wie Heimat

ist dein Singen,

dein Trillern, Jubiliern,

und spät im Herbst

dein Abgesang.

Du bleibst.

Du fliehst nicht,

schweigst nicht lang.

 

 

Mutter sein

 

Freude an Kindern –

und ewige Sorge.

 

Lachen mit ihnen –

und nächtens

die Tränen;

 

von der Glückseligkeit

bis zur herztiefen Trauer

alles auskosten,

was Leben.

 

Mutter sein.

 

 

aus dem zweiten Teil „In prächtigen Farben naht wieder der Sommer …“:

 

Sommerwind

 

Wiegst du mich,

Sommerwind,

lieblich

und leise?

 

Trägst du mich,

Sommerwind,

weit

in die Höhn?

 

Streichelst mich,

Sommerwind,

zärtlich

und zögernd,

 

läßt mich

ganz sanft

in den Schlaf

mit dir wehn?

 

 

Lyrik am Baumblatt

 

Golden und rot

schweben die Zettel des Herbstes

schwankend durch den Abend,

wiegen sich schaukelnd im Wind

und verkünden uns

mit wehmütigen Worten

das Ende des Sommers –

 

Lyrik am Baumblatt.

 

 

aus dem dritten Teil „… ein Gebet aus Freude, eine Elegie aus Gold“:

 

 

Unter den Bäumen

 

Rotgoldne Blätterhände

schweben gleich fallenden Fächern

unter den Ahornbaum,

weben ein buntes Gebilde

in den Teppich aus Gräsern und Moos;

 

laden uns ein

zum Wandern  und Träumen …

ach, wieviel Schönheit und Lust

finden wir wieder im Herbst –

unter den Bäumen!

 

 

Vergangenheit

 

Mit jedem Atemzug

versinkt die Gegenwart

in die Vergangenheit,

jede Sekunde Leben

flieht dem Tod entgegen.

Warum nur sehnen wir uns so

nach dem, was war?

Weil wir so jung,

als damals Rosen blühten,

so leicht und fröhlich,

jeder Sorge bar?

 

Die Zukunft, die wir einst erträumten,

die liegt jetzt hinter uns und schläft.

Erinnern klingt aus unsren Liedern.

Und Wehmut. Trauer. Immerdar.

 

 

aus dem vierten Teil „Mit Urgewalt zieht uns ein Sehnen hin …“:

 

 

Das alte Lied

 

Rauhreif

lag am Morgen

auf den Wäldern,

als ich am Weg

die ersten Spuren hinterließ.

 

Jetzt ist es Abend.

Die Dämmerung war lang;

beim Kerzenschein

vernahm ich staunend

irgendwo

das alte Lied,

das einst, vor vielen Jahren,

meine Mutter sang.

 

Er drang ins Herz,

ganz tief,

der wunderbare Klang.

 

 

O stille Nacht

 

Weihrauchduft

zieht durch die Zimmer –

die Rauhnacht weht vorbei …

die Kerzen sind erloschen.

Bis auf die zwei,

die vor dem Fenster

unsren Toten hell den Weg

in unsre Nähe weisen,

 

und die sie wissen lassen,

daß sie noch ganz bei uns.

Gedanken reisen

in die Anderswelt;

der Mond ist groß und voll

und grüßt versonnen

den, der da Andacht hält.

 

O stille Nacht.

In deinen Armen

verliert sich unser ganzes Sein,

versinkt das Streben,

wird alles Erdenleben

bedeutungslos,

gering und klein.

 

 

… und aus dem fünften Teil „Unterm Nußbaum“ (eigenes Leben):

 

Heimliche Liebe

 

Wenn du mich ansiehst

mit deinen klugen Augen,

dann weiß ich,

daß du die Gedanken

hinter meiner Stirne

lesen kannst …

 

und ich versuche,

an Bäume nur zu denken,

an Gräser und an Blumen,

vielleicht auch an Musik …

nur nicht an dich.

 

 

In den Frühling wachsend

 

Am Kirschblütenzweig

ein lichtes Blühn,

ein zartes Blatt

aus Weiß und Grün,

aus Amselkehlen

helles Lied,

und warmer Windhauch

überm Ried …

 

und wachsend du,

geliebtes Kind.

In den Frühling wachsend.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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