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FELDSPAT, QUARZ UND GLIMMER

Geschichten vom Leben

erschienen 2004 in der Edition Geschichte der Heimat im Buchverlag Franz Steinmaßl, Grünbach;

144 Seiten, fest gebunden;  €  14,50

 

Zum Inhalt der Klappentext:

In dieser Sammlung von Erzählungen berichtet Ingrid Streicher von ihrer Kindheit im Mühlviertel, den prägenden Jugendjahren in der Mittelschulzeit in Linz und während des Studiums in Wien sowie ihrem Leben als Gattin, Mutter, Liebende und Autorin. Ihr Leben ist gezeichnet von ihrer mutigen Entscheidung, einen bereits kranken Mann zu heiraten, weil die Liebe zu ihm groß genug ist. So erweist sich Ingrid Streicher als eine starke Frau und Erzählerin, die das Sterben eines geliebten Menschen ebenso bewegend zu schildern vermag wie die Freude am ersten Kuß.

 

Leseprobe aus dem Kapitel "Tristan der Treue" (weitere Hundegeschichten)

......

Das Beobachten war überhaupt seine große Stärke. So konnte der kluge Hund an den Schuhen, die ich wählte, erkennen, was ich vorhatte. Entschied ich mich für den normalen Halbschuh und richtete mir meine Schultasche her, wußte er, ich würde in die Schule gehen, und wie selbstverständlich legte er sich brav auf seinen Platz. Zog ich die festen Wanderschuhe an, ging er in Wartestellung: Nimmt sie mich mit oder nicht? Schüttelte ich den Kopf, zog er sich schmollend zurück. Lächelte ich ihn an, begann er zu heulen, zu springen und zu seiner Leine hin zu laufen, die an einem Haken hing, denn dann wußte er, er durfte mich begleiten. Richtete ich am Nachmittag mein schönes Kleid und die schwarzen Abendschuhe her, begann er traurig zu werden, er wußte, am Abend würde ich ein Konzert besuchen. (Ich weiß natürlich nicht, ob er "Konzert" dachte. Aber daß ich ausgehen würde, ohne ihn, das war ihm schon Stunden zuvor bewußt.)

Eines Tages fand ich im Keller alte blaue Turnschuhe, die ich zur Gartenarbeit verwenden wollte. Ich nahm sie mit herauf, setzte mich auf die Stufen vor dem Haus und machte Anstalten, sie anzuziehen. Der Hund stand vor mir, wie zur Salzsäule erstarrt. Er konnte die blauen Schuhe, die er noch nie gesehen hatte, nicht zuordnen und sah sie mit großen Augen an, dann wieder mich. So ließ er seinen Blick immer wieder hin- und herschweifen, bis ich sie zugebunden hatte. Was jetzt? schien er zu fragen. In den Garten mit uns! rief ich, und - noch immer unsicher - lief er vor mir her. Ich glaube, er war erst beruhigt, als ich den Rasenmäher aus dem Schuppen holte und ihn anwarf. Jetzt wußte er endlich Bescheid.

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