Banner

Suche

 

 

DER MÜHLSTEIN

 

Zwölf Geschichten von einsamen Menschen,

Stunden und Wanderungen

 

2000 erschienen im Verlag Rudolf Wimmer, Bad Ischl;

152 Seiten, fest gebunden;  € 12,--

 

Zum Inhalt wieder der Klappentext:

In ihrem Buch „Der Mühlstein“ erzählt Ingrid Streicher in zwölf Geschichten von tiefer menschlicher Einsamkeit in einer Ära technologischer Überkommunikation; sie inspiriert dazu, sich Zeit zu nehmen für die eigentlichen Werte des Lebens wie Freundschaft und Liebe, Trauer und Freude, Verständnis für den anderen. Ihre poetischen Texte rühren an den Kern vieler aktueller Probleme, zeigen aber auch Wege auf, diese zu bewältigen.

 

 

Leseprobe aus „Marianne und der November“:

……

Wieder begann Marianne, sich auf den November vorzubereiten.Wie jedes Jahr hat sie Angst vor ihm.Mit dem Wort Herbst verbindet sie noch Wärme, das Gold des reifen Kornes, Enrtedank,Zufriedenheit. Der November aber wird wieder Kälte und Nebel bringen, tiefe Einsamkeit, das Grau. Die Farben sterben. Die Natur hat nicht mehr die Kraft für Rot, Grün, Gelb. Auch sie ist müde und alt geworden. Die Spaziergänge werden kürzer. Vor ein paar Tagen noch hat das Laub lustig geraschelt, als Marianne durch den Donaupark ging und wie ein Kind dieFüßebeim Gehen kaum vom Boden weghob, um mit ihren festen Schuhen die Blätter vor sich her zu schieben. Jetzt rascheln sie nicht mehr, die Blätter, sie sind fade, feucht, in Verwesung. Marianne entflieht, sucht die Geborgenheit ihrer Wohnung. Hier ist es warm und bunt. Sie genießt das Heimkommen, dreht alle Lichter an. Sie denkt: man müßte im November wandern gehen, an der Seite eines lieben Menschen imNebel unterwegs sein, sich dem Ungewissen überlassen in der Gewißheit, daß am Ende des Weges ein Heimkommen ist,eingemeinsames Himkommen, daß man irgendwo eine warme, helle Stube findet, ein Wirtshaus vielleicht, mit Holzbänken und einem Kachelofen und friedlichen Menschen,daß man eng beieinandersitzt, ein Glas Tee oder Glühwein trinkt und Geborgenheit fühlt. Und sie denkt: eigentlich müßte ich dankbar sein, daß ich ein Zuhause habe. Daß ich weiß, wohin ich heimgehen kann – auch, wenn ich alleine bin.

Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren … ich möchte mein Leben nach Sonnenuhren ausrichten, denkt Marianne. Die Zeit steht still, wenn es draußen grau ist. Sie zählt nicht. Man müßte einen Winterschlaf halten, sich verstecken können vor der Kälte, den Herzschlag verlangsamen. Einigeln.

……

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Joomla Template by Joomla51.com