Banner

Suche

 

 

KIESELSTEINE,

mein erstes Prosawerk, ist 1996 im Internationalen Literatur und Lyrik Verlag Wien erschienen. Ich werde zur Vorstellung dieses Buches die Beschreibung hier anführen, die der Verlag auf die Rückseite des Buches setzte:

„In ihrem persönlichen Erinnerungsbuch KIESELSTEINE erzählt uns Ingrid Streicher alltägliche Erlebnisse, innere und äußere, aus ihren Kinder- und Jugendjahren. Weit spannt sie dabei den Bogen von der Nachkriegszeit, die sie im Mühlviertel verbrachte, damals russische Besatzungszone, bis hin zu den sechziger Jahren und der Zeit ihres Studiums in Wien; von den Schul-, Dorf- und Tiergeschichten ihrer Kindheit, von Freundschaft und erster Liebe, bis hin zu authentischen Anekdoten über Anton Bruckner, überliefert durch die Familie der Autorin. Im Schutz und in der Enge eines strengen, patriarchalisch dominierten Elternhauses aufgewachsen, setzt sich Ingrid Streicher in ihrer autobiographischen Prosa auf der Suche nach der eigenen Identität mit diesem Erbe auseinander – in bewußt einfacher, aber eindringlicher Sprache, die es immer wieder versteht, den Leser zu rühren oder ihn zum Schmunzeln zu bringen.“

Das Buch hat 145 Seiten, ist fest gebunden und kostet € 12,--.

 

Leseprobe aus dem ersten Kapitel:

….

An schönen, warmen Sommertagen liefen wir barfuß in die Schule. Die Böden waren mit so einem eigenartigen schwarzen Staub bedeckt, es war ein herrliches Gefühl, wenn sich der zwischen den Zehen ansammelte. Und in die Pulte waren Tintenfässer eingelassen, gefüllt mit schwarzer, dicker Tinte. Immer wieder kam es vor, daß schlimme Buben die Zöpfe ihrer Vordermädchen in diese eintauchten, was bei vielen zu Schrei- und Weinkrämpfen führte. Mir war das eher egal, ich trug so und so am liebsten die abgelegten Lederhosen meines Bruders und hätte liebend gerne kurze Haare gehabt. Aber Mutti und Oma liebten und lobten meine langen, dicken Zöpfe, und mein Flehen stieß jahrelang auf taube Ohren. Jeden Morgen gab es Tränen, wenn meine Haare ausgebürstet werden mußten. Meine Mutti war die einzige, die mir die Zöpfe so flocht, daß ich zufrieden war, aber meistens hatte sie keine Zeit …. …. Erst als mein Papa mein jahrelanges Betteln über hatte, gab er, sozusagen auf höchster Ebene, grünes Licht, und ich bekam meinen ersehnten Bubikopf – allerdings nicht völlig frei und ungebunden; ein gerader Scheitel wurde an der Seite gezogen, ein Haarspangerl und eine große Masche, je nach Kleidung weiß, blau oder rot, ver(un)zierte nun mein weises Kinderhaupt. Ich glaube, daß dieser jahrelange Zwang zu einer ordentlichen Frisur mit dazu beitrug, daß ich mich als erwachsener Mensch für eine schmuck- und problemlose Eineinhalb-Zentimeter-Kurzhaarfrisur entschied, der Wind und Wetter nichts anhaben können. …..

 

Joomla Template by Joomla51.com